"Schutz und Instandsetzung von Betonbauwerken"

Vortrag zur Neufassung der Richtlinie. Die Kurzfassung des Referates enthält nur auszugsweise Änderungen der neuen Richtlinie, sie erhebt damit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Textzitate sind z. T. - bei Wahrung der Inhalte - verkürzt wiedergegeben.

DAfStb-Richtlinie
Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen
(Instandsetzungs-Richtlinie)


Ausgabe Oktober 2001

Teil 1: Allgemeine Regelungen und Planungsgrundsätze
Teil 2: Bauprodukte und Anwendung
Teil 3: Anforderungen an die Betriebe und Überwachung der Ausführung
Teil 4: Prüfverfahren


Die wesentliche Zielvorgabe, nämlich eine Harmonisierung mit den technischen und stoffbezogenen Vorgaben der ZTV-SIB/ZTV-RISS (künftig Teile der ZTV-ING) sicherzustellen und ein eindeutiges "Handling" für alle Betoninstandsetzungsmaßnahmen vorzugeben, wurde erreicht.
Die Richtlinie wird in Teilen Bestand der Bauregelliste werden, sie verkörpert somit auch zu beachtendes Baurecht. Diese Richtlinie steht auch für den künftigen QS-Mindeststandard für Planung- Ausführung- und Überwachung von Betoninstandsetzungsleistungen jeder Art.


Teil 1

Anwendungsbereich
Diese Richtlinie regelt die Planung, Durchführung und Überwachung von Schutz- und Instandsetzungsmaßnahmen für Bauwerke und Bauteile aus Beton und Stahlbeton nach DIN 1045, unabhängig davon, ob die Standsicherheit betroffen ist oder nicht*.

*Eine Gefährdung der Standsicherheit liegt nicht nur bei einem entsprechenden Schaden vor. Sie liegt auch dann vor, wenn ein Schaden mit großer Wahrscheinlichkeit künftig zu erwarten ist.

In dieser Aussage liegt ein bedeutsamer Unterschied zur alten Richtlinie, die an gleicher Stelle im Regelwerk lediglich von standsicherheitsrelevanten Instandsetzungsmaßnahmen gesprochen hat.

Planung
Der Zwang zur Planung im Vorfeld von Instandsetzungsausführungen ist festgeschrieben. Schäden und deren Ursachen sind vom sachkundigen Planer zu ermitteln und schriftlich anzugeben. Aus den Ermittlungen des IST- und SOLL-Zustandes ist das Instandsetzungskonzept zu entwickeln, auf dessen Basis ein Instandsetzungsplan und das Leistungsverzeichnis aufzustellen ist. Leistungen, die im Zusammenhang mit der Betoninstandsetzung stehen und die Dauerhaftigkeit einer Betoninstandsetzung wesentlich beeinflussen, z. B. Abdichtungen, sind im Instandsetzungskonzept zu berücksichtigen. Ebenso sind besondere Belastungen (chemisch und/oder mechanisch) zu beschreiben.

Nur der sachkundige Planer legt fest, ob die geplante Maßnahme für die Erhaltung der Standsicherheit erforderlich ist und welche Maßnahmen zur Überwachung der Ausführung zu treffen sind, was zwingend in den in den Ausschreibungsunterlagen aufzunehmen ist.

Für Betoninstandsetzungsarbeiten muss in jeder Phase, auch während der Ausführung, festgelegt sein, wer die Fragen der Standsicherheit verantwortlich beurteilt und wer die dazu erforderlichen Maßnahmen plant und ausführt. Nur in Verbindung damit dürfen die im Anwendungsbereich angeführten Arbeiten, auch wenn sie die Standsicherheit nicht direkt betreffen, ausgeführt werden.

Das ist eine deutliche Präzisierung der Pflichten von Auftraggebern und Planern, auch bei Instandsetzungsmaßnahmen, bei denen anfänglich keine Standsicherheitsfrage auffällig ist. Bei Nichtbeachtung kann die Grenze zum Organisationsverschulden tangiert sein, was im Streitfall die Juristen interessieren wird.

Vom sachkundigen Planer ist für die gewählte Ausführung ein Instandhaltungsplan zu erstellen, der planmäßige Inspektionen und Angaben zur Wartung und Instandhaltungsmaßnahmen enthält.

Dies betrifft alle Maßnahmen zum dauerhaften Erhalt von Bauteilen, die nach erfolgter Instandsetzung zu beachten sind, was praktisch bedeuten kann, dass bei Nichtbeachtung und/oder mangelhafter Pflege instandgesetzter Bauteile, Gewährleistungsansprüche verloren gehen oder gemindert werden können. Auch hier stehen Auftraggeber und Planer - gegenüber früher - deutlicher in der Pflicht.

Ausführung
An die Ausführung werden folgende übergeordnete Anforderungen gestellt (hier nur Auszug, unvollständig):


Jedem Auftraggeber, der auf die Einschaltung des sachkundigen Planers verzichtet, muss klar werden, dass er ggfs. auf erforderliche Sicherheiten verzichtet, jedem ausführenden Unternehmen, das nicht nach Vorgaben des sachkundigen Planers arbeitet, muss klar sein, dass dies den Einstieg in die unentgeltliche Planungsverantwortung mit nicht kalkulierten Haftungsrisiken bedeutet.

Grundsätze für den Korrosionsschutz der Bewehrung
Die bekannten Korrosionsschutzprinzipien R, W, C und K bleiben erhalten, Angaben zu Grundsatzlösungen wurden aktualisiert.

Begriffe
Die Erklärung von Begriffen wurde erweitert. Besonders bemerkenswert ist hier dass Thema "Rautiefe", im Gegensatz zur alten Richtlinie ausführlich behandelt wird.


Teil 2

Verwendbarkeits- und Übereinstimmungsnachweis
Dieser Abschnitt wurde neu aufgenommen. Bei Stoffen, die in der ZTV-SIB enthalten und mit den gleichen Anforderungen wie in der Richtlinie belegt sind, wird die Bezeichnung nach den bisherigen ZTVen in Klammern angefügt. Vorgaben zur Grundprüfung aller Stoffsysteme sind gegeben, ebenso die technische Angleichung an die ZTV-SIB. Die Neufassung dieses Teils der Richtlinie ist auf die Bauregelliste abgestimmt. Übereinstimmungsnachweise von Bauprodukten mit der Richtlinie werden gefordert.

Betonuntergrund, Witterungsbedingungen, Vorbehandlung der Bewehrung
Es ist eine vollständige Überarbeitung der Tabellenwerke erfolgt, Forderungen, die sich aus zwischenzeitlich eingeführten Stoffen ergeben, sind berücksichtigt. Anforderungskataloge zur Oberflächenbeschaffenheit, mechanischen Eigenschaften, chemischen Eigenschaften, Betonfeuchte, Temperaturen, Witterungsbedingungen und der Maßnahmen zur Vorbereitung des Betonuntergrundes werden abgehandelt.

Instandsetzungsbetone und -mörtel
Die Mörtelsysteme der Regelwerke wurden zusammengeführt und den TL und TP der ZTV-SIB für PCC, SPCC und PC angeglichen und teilweise neu beschrieben.

Erläuterung der Beanspruchungsklassen M1 - M3 (neu), PCC I, PCC II, SPCC und der reaktionsharzgebundenen Systeme.

M4 ist entfallen.

Richtwerte für Schichtdicken wurden neu gefasst und harmonisiert.

Oberflächenschutzsysteme
Auch hier ist Harmonisierung mit der ZTV-SIB erfolgt. OS 1, 2, 4, 5, 9 und 11 entsprechen den Systemen OS-A bis OS-F. Hinsichtlich OS 7 und OS 10 wird auf die TL/TP-BEL-EP und BEL-B verwiesen. OS 3, OS 6, OS 8 und OS 12 entfallen, OS 13 ist neu aufgenommen (kein Gegenstück in der ZTV, reines Hochbausystem), es erfüllt höhere mechanische und chemische Anforderungen bei eingeschränkter Rissüberbrückungs-fähigkeit im Vergleich zu OS 11 (OS-F).

Erläuterung der künftig gültigen Schichtdickendefinitionen, vereinfacht und praxisgerechter gegenüber der alten Richtlinie. Wesentlich ist der neu aufgenommene Schichtdickenzuschlag dz in Abhängigkeit zur Rautiefe. Die künftig geschuldete Schichtdicke ist stoffabhängig jeweils ausschließlich der zugehörigen Grundprüfung zu entnehmen.

Hier ist Änderungsbedarf bei den bisher üblichen Ausschreibungstexten angesagt.

Füllen von Rissen und Hohlräumen
Komplette Neufassung gegenüber der alten Richtlinie, Übernahme der Prüf- und Lieferbedingungen aus der überarbeiteten ZTV-RISS (ZTV-ING).

Der Anwendungsbereich wurde um das Füllen von Hohlräumen erweitert.

Tabellen und Bildanhang
Alle wesentlichen Kriterien und Prüfvorgaben sind in Tabellen zusammengefasst.


TEIL 3

Personal und Ausstattung der ausführenden Unternehmen
Qualifizierte Führungskraft, Bauleiter und Baustellenfachpersonal werden immer gefordert. Das Baustellenfachpersonal ist ausschließlich durch Besitz des SIVV-Scheins beschrieben, der Scheininhaber hat ständig auf der Baustelle anwesend zu sein. Die erleichternde Regelung der Prüfstelle SIB der alten Richtlinie ist ersatzlos entfallen.

Die Aufgaben der qualifizierten Führungskraft wurden neu definiert, sie sind nicht mehr fachlich näherungsweise deckungsgleich - wie in der alten Richtlinie - mit den Aufgaben des sachkundigen Planers.

Die Pflicht, Bedenken im Sinne von VOB/B anmelden zu müssen, bewegt sich damit gegenüber der alten Richtlinie auf niedrigerem Niveau, was der auftraggeberseitigen Planung höhere Sorgfalt aufbürdet.

Überwachung der Ausführung
Eine Überwachung der Betoninstandsetzungsleistung durch das ausführende Unternehmen ist bei jeder Betoninstandsetzungsmaßnahme durchzuführen, die Ergebnisse sind immer schriftlich zu fixieren (frühere Eigenüberwachung, dieser Begriff ist auf Betreiben des DIBt. durch "Überwachung durch das ausführende Unternehmen" ersetzt worden).

Der Begriff "Fremdüberwachung" ist von gleicher Stelle mit dem Namen "Überwachung durch eine dafür anerkannte Überwachungsstelle" ersetzt worden.

Bei Maßnahmen < 50 m2 und Rissverfüllungen < 20 m, die nicht standsicherheitsrelevant sind, kann von einer Überwachung durch eine dafür anerkannte Überwachungsstelle abgesehen werden.

Standsicherheitsrelevante Kleinmaßnahmen unterliegen immer der Überwachung.

Der Umfang der Eigenüberwachung und der damit im Zusammenhang stehenden Prüfungen ist detailliert beschrieben und zusätzlich in Tabellenform übersichtlich dargestellt.

TEIL 4

Dieser Teil beschreibt die Prüfverfahren für Stoffe, er ist somit wesentliche Grundlage für die Stoffhersteller. Für Ausführung und Planung werden allerdings hier auch die Leistungsgrenzen der Stoffe erkennbar.

FAZIT

Die neue Instandsetzungs-Richtlinie hat die Unzulänglichkeiten der alten Fassung ausgemerzt, sie beschreibt nunmehr die umfassende Zuständigkeit für alle Arten der Betoninstandsetzung.

Es ist davon auszugehen, dass mit dem neuen Regelwerk mehrheitlich a. a. R. d. T. beschrieben sind, sie wird damit automatisch zum Mindeststandard der Betoninstandsetzung, unabhängig davon, ob sich die Frage der Standsicherheit stellt oder nicht. Die neue Richtlinie beschreibt neben ihren rein technischen Aussagen auch den üblichen Mindeststandard zur Qualitätssicherung.

Nur die strikte Einhaltung der Richtlinie für Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen des DAfStb. schafft für beide Vertragsparteien kalkulierbare Rechtssicherheit. Sicher ist, dass die neue Richtlinie unantastbarer Maßstab bei Rechtsstreitigkeiten sein wird, denn sie beschreibt exakt die Rechte und Pflichten der Vertragsparteien.

Für Auftraggeber und für Auftragnehmer ist die lückenlose Anwendung der Richtlinie bester Garant zur Minimierung von Gewährleistungsrisiken. Dadurch, dass diese Richtlinie in Teilen Bestand der Bauregelliste wird, verkörpert sie nach ihrer Einführung ohnehin gültiges Baurecht.

Für Auftraggeber kann nur die Empfehlung ausgesprochen werden, die Vorlage von Überwachungsberichten vertraglich zu vereinbaren. Die VOB lässt dies ohne jede Einschränkung zu.

VOB/C, DIN 18349 - Betonerhaltungsarbeiten - wird derzeit grundlegend überarbeitet und hinsichtlich aller technischen Inhalte und Begriffe der neuen Instandsetzungs-Richtlinie angepasst.



 

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